Das Ziel filmischer Kunstwerke ist die Organisation eines Erfahrungskomplexes durch den Künstler, wenn auch in dessen Filmen stets nur eine Illusion der Wahrheit – ihr Bild geschaffen wird. Die Indiviualität des Regisseurs entwirft eine bestimmte Konfiguration seines Weltverhältnisses. Das heißt, dass eben schon seine Individualität das Verhältnis zur Welt einschränkt. Die hier getroffene Auswahl vertieft die Subjektivität der vom Künstler wahrgenommenen Welt.
Die Wahrheit eines filmischen Bildes ist etwas rein Rhetorisches. Sie ist nicht mehr als ein Traum, ein Wunschziel, das in seiner Umsetzung die Besonderheit der vom Regisseur getroffenen Auswahl, das heißt die Individualität seiner Position veranschaulicht. Nach der eigenen Wahrheit zu streben (und eine andere, allgemeine kann es ja nicht geben), das bedeutet, nach einer eigenen Sprache für die Formulierung eigener Ideen zu suchen.
A. Tarkowski “Die versiegelte Zeit”, Verlag Ullstein GmbH 1985
Tags: Erfahrungskomplex · Illusion · Wahrheit · WeltverhältnisNo Comments

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