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Kategorie C

Die deutsche Polizei unterteilt Fußballfans in drei Gruppen: Kategorie A meint „normale Fußballfans“; Kategorie B  „gewaltbereite“ und Kategorie C „gewaltsuchende“ Fußballfans. Seit einigen Jahren hat sich nach italienischem Vorbild in der deutschen Fußballfanszene eine vierte Gruppierung heraus gebildet: die Ultras, deren Altersdurchschnitt bei zwanzig Jahren liegt.

Sie alle – die älteren Hooligans und die jungen Ultras – eint die Liebe zu ihrem Verein und zur Gewalt. Ihre Existenz ist ein Ausdruck männlicher Energie, die durch die gegebenen gesellschaftlichen Verhältnisse nicht mehr sozialisiert wird. Es sind Männergruppen, die sich martialische Namen geben („Metastasen“, „Diablos“), die Abgrenzung durch archaisch anmutende, gewalttätige Grenzüberschreitung suchen und die damit das staatliche Gewaltmonopol in Frage stellen.

Die Hooligans tragen ihre Kämpfe abseits von Spielen und Stadien auf Wiesen oder Äckern aus, um in gleicher Mannschaftsstärke im körperlichen Kampf den Besten zu ermitteln. Die Ultras hingegen bringen die Kämpfe wieder in die Stadien zurück. Zunächst kämpfen sie dort friedlich um die besten Gesänge („Support“) und die besten Choreografien („Choreos“). Das sind comicartig gestaltete Leinwände, die zu Beginn der Spiele in den Fanblöcken entrollt werden, untermalt mit Pyrotechnik. Dann aber, in der „Dritten Halbzeit“, wird in oder nahe der Stadien versucht, durch gewaltsame Auseinandersetzungen die bessere Ultra-Fangruppe zu ermitteln.

Am Beispiel traditionell verfeindeter und sich aufs äußerste bekämpfende Fangruppen in Leipzig hinterfragt dieser Dokumentarfilm, was es bedeutet, Fußball-Fan der „Kategorie C“ zu sein – als Ultra und als Hooligan. Welche Anliegen und Ideale haben diese Fans, welche Regeln und welche Moral?

Der Film versucht herauszufinden, was Gewalt den jungen und älteren Fan-Männern gibt, womöglich ersetzt. Er wendet den Blick aber auch auf die Polizei, die den Fußballfans Woche für Woche gegenüber steht und versuchen muß, die Kämpfe der Fanmannschaften einzudämmen. Dabei gerät sie nicht selten zwischen die Fronten.

Der Film beleuchtet diese Gewaltspirale, deren Härte zunimmt und deren Ende nicht abzusehen ist.

*** Aufführungen

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Dokumentarfilm, Deutschland 2008
85 Minuten

Buch und Regie: Franziska Tenner
Dramaturgie: Olaf Winkler
Kamera: Matthias Tschiedel, Dirk Heth
Ton: Andreas Blechschmidt, Olaf Bublitz, Susi Wehrli, Ulrike Vetter
Montage: Rune Schweitzer
Sound Design: Christian Riegel, Tonbüro Berlin
Aufnahmeleitung: Torsten Kramer, Sarah Hecht
Engl. Übersetzung: Susanne Schmutzer
Schnittassistenz: Nadine Becker, Magda Lammert
Digitale Bildbearbeitung: Tobias Schaarschmidt
Color Grading: Petra Gescher
Titeldesign: Bettina Kuntsch
Supervisor Postproduction: Caroline Päthke, Undine Simmang
Assistenz Postproduction: Ludwig Gütte
Technischer Support: Thomas Birth
Videotransfer: Moser + Rosié
Komposition und Musikgestaltung: Peter Gotthardt
Rechtsberatung: Prof. Dr. Artur-Axel Wandtke
Produzenten: Klaus Schmutzer, Sven Boeck

Gefördert durch die kulturelle Filmförderung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und der Medien (BKM) und die DEFA-Stiftung.

www.kategorie-c-derfilm.de


Gespräch zum Film
Warum haben Sie diesen Film gemacht?
Zwei Jahre vor der Fußball-WM in Deutschland, also im Herbst 2004, habe ich mich gefragt, ob und wie dieses riesige, aufgeblasene Event die Fankultur verändern wird. In dieser Zeit gab es eine öffentliche Diskussion um den Einsatz der Bundeswehr gegen gewalttätige Fußballfans im Inland während der WM. Das hat mich aufgeschreckt, weil eine Kriminalisierung versucht wurde, die offensichtlich anderen Zwecken diente, nämlich der totalen Überwachung und, wenn es angeblich notwendig ist, der Möglichkeit, Konflikte auch im Inland militärisch regulieren zu können.
Aber die Fans waren es damals, an denen dieser innenpolitische Vorstoß sozusagen seine Testphase durchlief, leider nicht mit dem gewünschten Ziel. Dieses Ziel aber, auch im Inland militärisch wirksam werden und damit gegen die eigene Bevölkerung militärisch vorgehen zu können, wurde bis heute nicht aufgegeben.

Was ist das eigentliche Thema im Zusammenhang mit Fußballfans?
Es geht hier ganz klar um Sozialisation von Männlichkeit in der gegenwärtigen Gesellschaft. Diese war zu keiner Zeit, in keiner Gesellschaft leicht. Und mit dem Trauma des Dritten Reiches / Zweiten Weltkrieges im Gepäck war es bis heute nicht möglich, eine stabile, gegenwärtige Definition von Männlichkeit in Deutschland zu entwickeln, die den gesellschaftlichen Umständen entspricht.

Wir haben das Buch und damit die Theorie der „Männerphantasien“ von Klaus Theweleit aus den 1970ern. Hier wird das theoretische Prinzip aufgestellt: Männlichkeit + Gewalt = Faschismus. Etwas anderes gab es lange nicht, bis uns Enzensberger im neuen Jahrtausend den „Radikalen Verlierer“ servierte. Hier sehe ich schon eher Überschneidungen zum Selbstverständnis der Fans. Aber die Hilflosigkeit, wenn Gewalt und Männlichkeit gemeinsam auftauchen, kann ich so nicht teilen. Und für mich ist es einfach nur Hilflosigkeit, wenn man heute noch mit der Theweleitschen Theorie kommt.

Das komplette Gespräch herunterladen, PDF 900KB


Festivals
51. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm