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Berliner Kriegsenkel-Gruppe

Juni 25th, 2011 by Franziska
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Das nächste Treffen der offenen Berliner Kriegsenkel-Gruppe findet am 5. Februar 2012 um 16 Uhr in der KIS – Selbsthilfekontakt- und Informationsstelle im Nachbarschaftshaus am Teutoburger Platz, Fehrbelliner Strasse 92, statt.
Ihr seid herzlich willkommen!

Kriegsenkel – dass sind in der Regel zwischen 1960 und 1975 Geborene.
Unsere Eltern wurden als Kind vom 2. Weltkrieg und seinen Folgen geprägt. Sie sind in den dreißiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts geboren. Wir spüren, dass ihre Traumatisierungen Einfluss auf unser Leben haben. Damit wollen wir uns auseinandersetzen.

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Verlorenes Weltvertrauen

Juni 8th, 2011 by Franziska
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Die traumatische Qualität von Erlebnissen hängt immer damit zusammen, dass sie die „normale“ Welt der Betroffenen sprengen. Das heißt, die Opfer haben keine Norm, kein inneres Wertesystem, das sie auf diese traumatische Erfahrung vorbereitet und ihnen nachträglich hilft, sie einzuordnen und zu verstehen. Wenn in dieser Weise in ihrer Orientierung verwirrte und verletzte Menschen Kinder erziehen, geschieht es sehr häufig, dass sie in diesen äußeren Repräsentanten der von ihnen verlorenen Werte sehen, die unbedingt in einer ganz bestimmten Weise funktionieren müssen, um nicht völlig verloren zu gehen.

Das bedeutet, dass die Kinder durch Drohungen und durch körperliche Strafen gezwungen werden, Werte zu verwirklichen und auszufüllen, die bei den traumatisierten Eltern hochgradig gefährdet und durch Verlusterfahrungen bedroht sind. Diese innere Situation macht die Eltern weitgehend unfähig, mit den Individuationsschritten ihrer Kinder zurecht zu kommen. Sie können es nicht ertragen, dass diese andere Werte anerkennen als sie selbst.

Durch eine schwere Traumatisierung fällt ein Mensch aus dem Weltvertrauen heraus. Er kann es nicht in einer Weise zurück gewinnen, die Personen zu eigen ist, die kein solches Schicksal hatten. Weil die Eltern ihre eigene Emotionalität und Triebhaftigkeit verstärkt als Quelle von inneren Gefahren erleben, werden sie zum Trauma für ihre Kinder. Sie können deren Wünsche nur für anmaßend, ihre Glücksgefühle nur für voreilig, ja dumm halten. Leistung macht nicht froh, wird aber immerhin anerkannt. Und Leistung zeigt sich im Lohn! Freude ist gefährlich, Spontaneität leichtsinnig.

Sowohl Traumatisierte wie auch die von traumatisierten Eltern im Schatten des Wiederholungszwangs erzogenen Patienten wecken charakteristische Gefühle bei den Personen, die ihnen begegnen…

Wolfgang Schmidbauer „Er hat nie darüber geredet – Das Trauma des Krieges und die Folgen für die Familie“, Kreuzverlag, Stuttgart 2008

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Elternaustreibung

Mai 21st, 2011 by Franziska
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„… in den Kindern wird die Wahrheit, die man nicht aussprechen mag, sichtbar. Daß die Eltern gelitten haben, ist allein noch nichts, was in Abkapselung, Abwehr, Anklage und in die Not führt, die eigene Identität zu finden. Erst das Scheitern und die Schuld, die im Opferschicksal der Eltern liegen können, lasten auf den Kindern derart, daß sie sich lossagen müssen, lossagen wie auch die Kinder der Täter und sonst Beteiligten.

Damit wird zugleich deutlich, was das für die Kinder heißt: lossagen. Es heißt nicht, daß man die, von denen man sich lossagen muß, nicht eigentlich verstehen kann. Es heißt auch nicht, daß man sie nicht eigentlich lieben kann. Es bedeutet vielmehr, daß man ihr Leben nicht nachleben kann, ihr Schicksal nicht übernehmen, ihre Botschaften nicht erfüllen will. „Elternaustreibung“ kann allerdings auch bis zur Aufkündigung des Verständnisses und der Liebe gehen; das Verständnis für die Eltern und die Liebe zu ihnen können das Kind in eine deformierende Solidar- und Schuldgemeinschaft verstricken, die um der Rettung der eigenen Identität willen zerschlagen werden muß.“

Bernhard Schlink Vergangenheitsschuld, Diogenes 2007

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